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Mein ABI- Jahrgang 1996

Artikel aus der Einbecker Morgenpost vom 10.06.1996

 

PGS verabschiedet besten Jahrgang seit 1976

10.06.1996

 Dassel (cd). Die diesjährigen Abiturienten an der Paul-Gerhardt-Schule (PGS) Dassel feierten am vergangenen Sonnabendvormittag, nach einem Gottesdienst in der St. Laurentius-Kirche, ihre Entlassungsfeier in der Aula
der Lehranstalt. 48 junge Leute konnten ihre  Reifeprüfung entgegennehmen. Sie erzielten den besten Durchschnitt seit 20 Jahren. Mit mehreren Stücken sorgte die »Pauls Band« der Schule für die musikalische Umrahmung  der kleinen Feierstunde. 
Mit der Entgegennahme ihres Reifeprüfungszeugnisses gehe für alle Abiturienten, nicht nur eine lange Schulzeit, sondern auch ein Lebensabschnitt zu Ende. Doch gleich  nach Überschreitung der Ziellinie würden sie erneut an den Start treten, da jetzt der Marathonlauf der beruflichen Karriere bevor stehe, erklärte Oberstudienrat Dr. Helmut  Dinse. Die Abgänger haben die Freiheit, ihren künftigen Kurs selbst abzustecken und die Möglichkeit, zwischen Studien und Berufsausbildung zu wählen. Manche werden  sich vielleicht sogar für beides entscheiden,  vermutete der Schulleiter. 
Die Startbedingungen seien heutzutage  jedoch nicht günstiger geworden, als es noch s vor einigen Jahren der Fall gewesen sei. So spendete er ihnen vorausweilend Trost, sofern u es mit ihrem Berufseinstieg oder ihrer Studienlaufbahn nicht. so klappen sollte, wie sie es sich erhofft hätten.
 
 Bereits seit 1988 sei erkennbar, daß es mehr Abiturienten als in früheren Jahren unmittelbar nach dem Verlassen des Gymnasiums an eine Hochschule ziehe. Dieser Trend halte an, so Dr. Dinse. Für diejenigen, die zu dieser Gruppe gehören, hoffe er, daß sie den richtigen Studienzweig nach reichlicher Selbstprüfung ausgewählt haben.
Diejenigen, die lieber direkt einen Beruf erlernen möchten, sollten sich vorher einer kritischen Selbstprüfung unterzogen haben und sich Fragen stellen, wozu sie Lust haben und ob sie die richtigen Fähigkeiten mitbringen, in ihren Neigungsbereichen zum Erfolg zu gelangen. Es sei zwar nicht ganz einfach, Wunsch und Wirklichkeit miteinander in Ein- klang zu bringen, aber dennoch möglich. Hier sei Optimismus angesagt, betonte der Oberstudienrat.
Wer sich für den Zugang zur Universität entschlossen habe, stehe nunmehr vor der schwierigen Frage, ein breit gefächertes Studium zu ergreifen oder sich auf einem Spezialgebiet zu konzentrieren. Es ist falsch, zu viele Chancen auf einmal nutzen zu wollen und keine Schwerpunkte zu setzen. Hier besteht die Gefahr, nur oberflächliches Wissen zu sammeln. Die intensive Konzentration auf ein eng begrenztes Spezialangebot könne auf der anderen Seite allerdings noch .verhängnisvoller sein, räumte der Schulleiter ein.
An dieser Stelle zitierte er den Präsidenten der Westdeutschen Rektorenkonferenz, Professor Seidel, der den Standpunkt vertritt, daß man sich nicht auf einen einzigen Beruf, sondern auf Berufsfelder vorbereiten sollte. weiter sagt er, daß das Studienideal eine Verknüpfung von Überblickswissen und Spezialkenntnissen in mindestens einem Fachgebiet sei. Dr. Dinse appellierte deshalb an die Abi-
turienten, die ersten beiden Semester zur generellen Orientierung im Studienfach zu - nutzen und erst anschließend Schwerpunkte ~ zu setzen. 
Wie aus einer Studie des Bundesministers für Bildung und  Wissenschaft hervohebt  rücken hinsichtilch der Wahl des Studienfaches vordergründige Karrierechancen immer  mehr zu Lasten fachlicher Interessen ins , Blickfeld der Studienanfänger. Für viele ist der materielle Erfolg des Studiums wichtiger geworden, als das ideelle Wohlbefinden. So würde für eine steigende Zahl von Studenten . die Aussichten auf ein hohes Einkommen und den beruflichen Aufstieg die entscheidende  Rolle spielen. 
 
Dr. Dinse gab den Abiturienten den Rat ~ mit auf den Weg, daß ihr künftiger Beruf  beziehungsweise ihr Studium wenigstens annähernd ihren persönlichen Neigungen und fachlichen Interessen entsprechen sollte.  Schließlich sollten sich die Abgänger vor , Augen halten, daß zwar 13 Jahre Schulzeit  hinter ihnen, aber ungefähr 40 Studien- und Berufsjahre noch vor ihnen liegen würden. Sie  sollten sich dadurch nicht demotivieren lassen, sondern mutig ans Werk gehen. Die Schule wünsche ihnen dazu gutes Gelingen  und viel Erfolg. 
Diesen Wünschen schlossen sich auch Superintendent  Dr. Friedhelm Voges und der
Vorsitzende des Vereins der ehemaligen Abiturienten, Michael Hireus, an.
Auf die Bedeutung des Wortes Entlassung ging Schülervertreterin Jessica Schwerdtfeger ein. Es bedeute etwas loszulassen, von etwas  zu lassen und habe darum auch mit Befreiung -und Freiheit zu tun. Aber auch auf den Zusammenhang mit Ablösung und Verlust von Bindungen, der an der Entlassung aus der Schule besonders deutlich werden würde, ging sie ein.
Wie die Abiturienten die Lehranstalt ver1lassen, was sie also aus den 13 Schuljahren »für das Leben« mitnehmen würden, hänge ~ beziehungsweise oder hinge nicht zuletzt von , ihnen ab. Doch sollten die Abgänger immer daran denken, daß das Leben nicht nur aus Zählbaren, Meßbarem und Wägbarem, sondern auch aus Träumen, Utopien und Idealen bestehen würde. Für die Zeit, die vor ihnen liegt, wünschte sie ihnen alles Gute.
Holger Apel, Jahrgangssprecher der 13. Klasse, schilderte in groben Zügen noch ein- mal die vergangene Schulzeit. Die meisten der Schüler, so Apel, hätten sieben Jahre an der PGS gebüffelt, oft gezittert, Durchschnittsnoten ausgerechnet und in den vergangenen  zwei Jahren nur noch nach einer möglichst guten Gesamtqualifikation Ausschau gehalten. Da sie wußten, daß ihnen ein guter Notendurchschnitt zu einem schnelleren Eintritt in das Studentenleben verhilft, wußten die Abiturienten auch, um was es ging. Wie Apel ergänzte, hätten einige jedoch bereits vor dem Endspurt resigniert, als sie merkten, daß selbst die härtesten Anstrengungen nichts mehr nützen würden, um eine bessere Endnote und damit den begehrten Studienplatz zu erreichen.
Auch wenn es manchmal nicht ganz gereicht hat, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen, so ist es vielleicht ein Trost zu wissen, für
das Leben und nicht für die Schule zu lernen. So der Jahrgangssprecher. Mark Twain schwärmte vor rund 20 Jahren. daß der deutsche Student das Gymnasium mit einer so vollkommenen Ausbildung . verlasse,  daß die Universitäten sie nur in einige seiner tiefgelehrten Spezialitäten vervollkommnen müsse. Davon könne man heutzutage jedoch nicht mehr ausgehen, da an
die Stelle der »Vollkommenen Bildung« ein Kurssystem gerückt sei. Die von Twain angesprochene Bildung könne es daher also nicht mehr geben. da jeder Schüler die Möglichkeit habe, seine Kurse weitestgehend selbst zu wählen, begründete Apel. 
Ihren Neigungen und Interessen entsprechend können die heutigen Schüler  also die  Oberstufe bestreiten. Aus dem Befähigungsnachweis zum Studieren ist ein Berechtigungsnachweis geworden, stellte der Redner  fest. So ist beispielsweise ein Schüler. der sein Abitur in Kunst oder Sport gemacht hat, zu einem Medizin-Studium berechtigt. Eventuell bricht er es jedoch wieder ab. da er erkennt, daß er auf diesem Gebiet keine Fähigkeiten besitzt. Ein anderer Abiturient. der vielleicht
die erforderlichen Fähigkeiten besitzen würde, müsse deshalb vielleicht warten. Eine kritische Betrachtung des Abiturs hält Apel aus diesem Grund für sehr wichtig.
Seinen Mitschülern wünschte er ab schließend alles Gute für die Zukunft und dass sie ihre persönlichen Ziele erreichen können. .
Für die besten Durchschnittsnoten wurden Corinna und Simone Kues. Caroline Gutjahr ,sowie Pauline Müller jeweils ein Geschenk überreicht