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Dassel
(cd). Die diesjährigen Abiturienten an der Paul-Gerhardt-Schule (PGS)
Dassel feierten am vergangenen Sonnabendvormittag, nach einem Gottesdienst
in der St. Laurentius-Kirche, ihre Entlassungsfeier in der Aula
der Lehranstalt. 48 junge Leute konnten ihre Reifeprüfung
entgegennehmen. Sie erzielten den besten Durchschnitt seit 20 Jahren. Mit
mehreren Stücken sorgte die »Pauls Band« der Schule für die
musikalische Umrahmung der kleinen Feierstunde.
Mit der Entgegennahme ihres Reifeprüfungszeugnisses gehe für alle
Abiturienten, nicht nur eine lange Schulzeit, sondern auch ein
Lebensabschnitt zu Ende. Doch gleich nach Überschreitung der
Ziellinie würden sie erneut an den Start treten, da jetzt der
Marathonlauf der beruflichen Karriere bevor stehe, erklärte
Oberstudienrat Dr. Helmut Dinse. Die Abgänger haben die Freiheit,
ihren künftigen Kurs selbst abzustecken und die Möglichkeit, zwischen
Studien und Berufsausbildung zu wählen. Manche werden sich
vielleicht sogar für beides entscheiden, vermutete der Schulleiter.
Die Startbedingungen seien heutzutage jedoch nicht günstiger
geworden, als es noch s vor einigen Jahren der Fall gewesen sei. So
spendete er ihnen vorausweilend Trost, sofern u es mit ihrem
Berufseinstieg oder ihrer Studienlaufbahn nicht. so klappen sollte, wie
sie es sich erhofft hätten.
Bereits seit 1988 sei erkennbar, daß es mehr Abiturienten als in früheren
Jahren unmittelbar nach dem Verlassen des Gymnasiums an eine Hochschule
ziehe. Dieser Trend halte an, so Dr. Dinse. Für diejenigen, die zu dieser
Gruppe gehören, hoffe er, daß sie den richtigen Studienzweig nach
reichlicher Selbstprüfung ausgewählt haben.
Diejenigen, die lieber direkt einen Beruf erlernen möchten, sollten sich
vorher einer kritischen Selbstprüfung unterzogen haben und sich Fragen
stellen, wozu sie Lust haben und ob sie die richtigen Fähigkeiten
mitbringen, in ihren Neigungsbereichen zum Erfolg zu gelangen. Es sei zwar
nicht ganz einfach, Wunsch und Wirklichkeit miteinander in Ein- klang zu
bringen, aber dennoch möglich. Hier sei Optimismus angesagt, betonte der
Oberstudienrat.
Wer sich für den Zugang zur Universität entschlossen habe, stehe nunmehr
vor der schwierigen Frage, ein breit gefächertes Studium zu ergreifen
oder sich auf einem Spezialgebiet zu konzentrieren. Es ist falsch, zu
viele Chancen auf einmal nutzen zu wollen und keine Schwerpunkte zu
setzen. Hier besteht die Gefahr, nur oberflächliches Wissen zu sammeln.
Die intensive Konzentration auf ein eng begrenztes Spezialangebot könne
auf der anderen Seite allerdings noch .verhängnisvoller sein, räumte der
Schulleiter ein.
An dieser Stelle zitierte er den Präsidenten der Westdeutschen
Rektorenkonferenz, Professor Seidel, der den Standpunkt vertritt, daß man
sich nicht auf einen einzigen Beruf, sondern auf Berufsfelder vorbereiten
sollte. weiter sagt er, daß das Studienideal eine Verknüpfung von Überblickswissen
und Spezialkenntnissen in mindestens einem Fachgebiet sei. Dr. Dinse
appellierte deshalb an die Abi-
turienten, die ersten beiden Semester zur generellen Orientierung im
Studienfach zu - nutzen und erst anschließend Schwerpunkte ~ zu setzen.
Wie aus einer Studie des Bundesministers für Bildung und Wissenschaft
hervohebt rücken hinsichtilch der Wahl des Studienfaches vordergründige
Karrierechancen immer mehr zu Lasten fachlicher Interessen ins ,
Blickfeld der Studienanfänger. Für viele ist der materielle Erfolg des
Studiums wichtiger geworden, als das ideelle Wohlbefinden. So würde für
eine steigende Zahl von Studenten . die Aussichten auf ein hohes Einkommen
und den beruflichen Aufstieg die entscheidende Rolle spielen.
Dr. Dinse gab den Abiturienten den Rat ~ mit auf den Weg, daß ihr künftiger
Beruf beziehungsweise ihr Studium wenigstens annähernd ihren persönlichen
Neigungen und fachlichen Interessen entsprechen sollte. Schließlich
sollten sich die Abgänger vor , Augen halten, daß zwar 13 Jahre
Schulzeit hinter ihnen, aber ungefähr 40 Studien- und Berufsjahre
noch vor ihnen liegen würden. Sie sollten sich dadurch nicht
demotivieren lassen, sondern mutig ans Werk gehen. Die Schule wünsche
ihnen dazu gutes Gelingen und viel Erfolg.
Diesen Wünschen schlossen sich auch Superintendent Dr. Friedhelm
Voges und der
Vorsitzende des Vereins der ehemaligen Abiturienten, Michael Hireus, an.
Auf die Bedeutung des Wortes Entlassung ging Schülervertreterin Jessica
Schwerdtfeger ein. Es bedeute etwas loszulassen, von etwas zu lassen
und habe darum auch mit Befreiung -und Freiheit zu tun. Aber auch auf den
Zusammenhang mit Ablösung und Verlust von Bindungen, der an der
Entlassung aus der Schule besonders deutlich werden würde, ging sie ein.
Wie die Abiturienten die Lehranstalt ver1lassen, was sie also aus den 13
Schuljahren »für das Leben« mitnehmen würden, hänge ~ beziehungsweise
oder hinge nicht zuletzt von , ihnen ab. Doch sollten die Abgänger immer
daran denken, daß das Leben nicht nur aus Zählbaren, Meßbarem und Wägbarem,
sondern auch aus Träumen, Utopien und Idealen bestehen würde. Für die
Zeit, die vor ihnen liegt, wünschte sie ihnen alles Gute.
Holger Apel, Jahrgangssprecher der 13. Klasse, schilderte in groben Zügen
noch ein- mal die vergangene Schulzeit. Die meisten der Schüler, so Apel,
hätten sieben Jahre an der PGS gebüffelt, oft gezittert,
Durchschnittsnoten ausgerechnet und in den vergangenen zwei Jahren
nur noch nach einer möglichst guten Gesamtqualifikation Ausschau
gehalten. Da sie wußten, daß ihnen ein guter Notendurchschnitt zu einem
schnelleren Eintritt in das Studentenleben verhilft, wußten die
Abiturienten auch, um was es ging. Wie Apel ergänzte, hätten einige
jedoch bereits vor dem Endspurt resigniert, als sie merkten, daß selbst
die härtesten Anstrengungen nichts mehr nützen würden, um eine bessere
Endnote und damit den begehrten Studienplatz zu erreichen.
Auch wenn es manchmal nicht ganz gereicht hat, um ein bestimmtes Ziel zu
erreichen, so ist es vielleicht ein Trost zu wissen, für
das Leben und nicht für die Schule zu lernen. So der Jahrgangssprecher.
Mark Twain schwärmte vor rund 20 Jahren. daß der deutsche Student das
Gymnasium mit einer so vollkommenen Ausbildung . verlasse, daß die
Universitäten sie nur in einige seiner tiefgelehrten Spezialitäten
vervollkommnen müsse. Davon könne man heutzutage jedoch nicht mehr
ausgehen, da an
die Stelle der »Vollkommenen Bildung« ein Kurssystem gerückt sei. Die
von Twain angesprochene Bildung könne es daher also nicht mehr geben. da
jeder Schüler die Möglichkeit habe, seine Kurse weitestgehend selbst zu
wählen, begründete Apel.
Ihren Neigungen und Interessen entsprechend können die heutigen Schüler
also die Oberstufe bestreiten. Aus dem Befähigungsnachweis zum
Studieren ist ein Berechtigungsnachweis geworden, stellte der Redner
fest. So ist beispielsweise ein Schüler. der sein Abitur in Kunst oder
Sport gemacht hat, zu einem Medizin-Studium berechtigt. Eventuell bricht
er es jedoch wieder ab. da er erkennt, daß er auf diesem Gebiet keine Fähigkeiten
besitzt. Ein anderer Abiturient. der vielleicht
die erforderlichen Fähigkeiten besitzen würde, müsse deshalb vielleicht
warten. Eine kritische Betrachtung des Abiturs hält Apel aus diesem Grund
für sehr wichtig.
Seinen Mitschülern wünschte er ab schließend alles Gute für die
Zukunft und dass sie ihre persönlichen Ziele erreichen können. .
Für die besten Durchschnittsnoten wurden Corinna und Simone Kues.
Caroline Gutjahr ,sowie Pauline Müller jeweils ein Geschenk überreicht
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