Problemstellung
Der
Wegfall von Handelshemmnissen im internationalen Güter- und
Kapitalverkehr einerseits und die Nutzung der neuen Informations- und
Kommunikationstechnologie anderseits haben zu einer deutlichen Steigerung
der Internationalisierung der Märkte geführt. Auch für deutsche
Unternehmen zeichnen sich diese fundamentalen Veränderungen ab. "Während
der Export deutscher Firmen in den letzten zehn Jahren um "nur"
etwa 170% steigt, haben sich die Direktinvestitionen ins Ausland bezogen
auf das Basisjahr 1985 mehr als verfünffacht."
Der
Internationalisierung der Märkte folgt somit eine Internationalisierung
der Unternehmen. Zuvor rein national agierende Unternehmen werden zu
"global Playern". Ursachen dieser Entwicklung liegen in dem
Versuch, Globalisierungsvorteilen seitens der Unternehmen zu nutzen. Diese
bestehen u.a. in der Erschließung günstiger Beschaffungsquellen, in
Kostenvorteilen bei der Produktion durch Lohnkostendifferenzierung
(Billiglohnländer) und Skaleneffekte, der Erschließung neuer Absatzmärkte,
sowie der Nutzung globaler Synergieeffekte und der größeren
Risikostreuung durch zusätzliche Märkte. Den Globalisierungsvorteilen
stehen Globalisierungsnachteile gegenüber, die zunächst einmal besonders
in der fehlenden Kenntnis bezüglich der neuen Märkte liegen in Bezug auf
deren Wirtschaft, Kultur, politischen und soziokulturellen Risiken.
Mit
zunehmender Internationalisierung steigt sowohl die Komplexität der
Beziehungen des Unternehmens zu seiner Umwelt, als auch die Komplexität
innerhalb des Unternehmens selbst. Klassische Hierarchien und
Stammhausorganisationen werden durch netzwerkartige weltweite
Verflechtungen verdrängt.
Diese
durch die Internationalisierung bedingte neue Komplexität, Verflechtung
und Dynamik erfordert eine informatorische Unterstützung der Unternehmen.
Die durch die Internationalisierung der Unternehmen verfolgten Strategien
motivieren dazu, das Controlling um einen "multinationalen
Aufgabenbereich" zu erweitern.
1
Einleitung
Im
Rahmen dieser Arbeit soll von institutional grenzüberschreitenden
Unternehmen ausgegangen werden, die in verschiedenen Stadien des
Lebenszyklus der Internationalisierung stehen. Den Schwerpunkt bildet
dabei die Internationalisierungsform des multinationalen Unternehmens. Die
Arbeit beschäftigt sich nicht mit Fragestellungen des Prozesses der
Internationalisierung selbst, sondern befasst sich nur mit bestimmten
idealtypischen Stadien der Internationalisierung. Dies bedeutet nicht,
dass für Unternehmen, die sich im Prozess der Internationalisierung
befinden, Fragestellungen des "Internationalen Controlling"
unrelevant wären. Allerdings sind die hieraus resultierenden Fragen
spezifischer Natur (Controlling der Internationalisierung) oder lassen
sich bei rein funktionaler Internationalisierung mit klassischen Methoden
des Controlling unterstützen.
Zunächst
ist es notwendig die verschiedenen Stadien der Internationalisierung
gegeneinander abzugrenzen. Dies geschieht in Abschnitt 2.2. Aus dieser
Abgrenzung resultieren spezifische Anforderungen an das strategische
Management, welches in Abschnitt 2.3 durch den strategischen
Managementprozess charakterisiert wird.
Unterstützt
werden soll das Management bei der Bewältigung dieser neuen Anforderungen
durch das strategische Controlling. Hierzu werden in Abschnitt 3 der
Controlling-Begriff zunächst charakterisiert, die Ebenen des operativen
und strategischen Controlling voneinander abgegrenzt, sowie Aufgaben
geleitet, welche das Controlling im Rahmen des strategischen
Managementprozesses wahrnehmen sollte.
In
Abschnitt 4 wird das Controlling um eine "multinationale"
Komponente erweitert, durch die Fragestellung, welche zusätzlichen
Anforderungen an das Controlling gestellt werden, im Falle einer grenzüberschreitenden
Unternehmenstätigkeit. Die einzelnen Stadien der Internationalisierung
werden dabei zunächst gesondert betrachtet und spezifische Aufgaben für
das Controlling abgeleitet. Ein besonderer Schwerpunkt wird den Zielen,
Aufgaben und Instrumenten des Controlling in multinationalen Unternehmen
eingeräumt.
In
Abschnitt 4.5 werden schließlich die Elemente "strategisches
internationales Controlling" und "strategisches Internationales
Management" zusammengeführt. Betrachtet wird hier wiederum der Fall
des multinationalen Unternehmens.
In
Abschnitt 5 wird abschließend die Verwendungsfähigkeit des Konzeptes der
Balanced Scorecard diskutiert, als Controlling-Instrument zur Unterstützung
des strategischen Managementprozesses in multinationalen Unternehmen